Cafe Luitpold - Gebäude

Eine bewegte

HISTORIE

 

 

 

In ihrer Ausgabe vom 1. September 1888 widmet die „Illustrierte Zeitung“, die damals führende Deutschlands, fast eineinhalb Seiten dem Café Luitpold in München. Sie beschreibt Die „Raumwunder“ aus über 20 Sälen und Gesellschaftsräumen und schildert eingehend den Hauptsaal: „ ... im Verein mit einer Anzahl hervorragender Maler
und Bildhauer wurde ein Raum geschaffen, wie ihn kein anderes öffentliches Etablissement besitzt. 38 Marmorsäulen und 42 Pilaster tragen den sich bis zu einer Höhe von neun Meter erhebenden reich gruppierten, dreischiffigen Hallenbau. Prächtiger plastischer und malerischer Schmuck, der so innig mit der umgebenden
Architektur zusammenhängt, ja förmlich aus ihr herauswächst, verleihen demselben, besonders
bei imposanter elektrischer Beleuchtung, einen wahrhaft edlen Charakter ... die Kunststadt
München ist durch dieses Etablissement um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden."

 

Kurze Zeit später, Anfang 1889 ist „Käseberg’s Führer durch Süddeutschland und die Rheinprovinz“ entzückt, überschlägt sich nahezu in Superlativen bei dem Versuch, das Café und Restaurant Luitpold in München zu beschreiben: „Dieses gewaltige, ca. 2000 Personen fassende Etablissement, ganz neu erbaut, dürfte auf dem Continent als Unicum dastehen und zwar nicht blos seiner räumlichen Ausdehnung, sondern auch hauptsächlich
seiner künstlerischen Ausschmückung halber, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt.“

 

VOM BIERKRUG ZUR KAFFEETASSE

 

München hatte sich eher spät der neuen Mode des Kaffeetrinkens geöffnet. Wurden in Wien, Budapest, Prag, aber auch in Paris und in Venedig ab dem 17. Jahrhundert Kaffeeschänken eingerichtet, prostete man sich in München noch mit dem Bierkrug zu. 1726 soll es gerade mal sieben Kaffeehäuser gegeben haben. 1804 schon 31 und
1835 rund 40. Im gleichen Jahr erschein ein „Café-Führer“ für München, in dem die gastlichen Stätten – darunter zahlreiche Damen-Cafés – beurteilt wurden. Allerdings sind Service und Qualität gerügt worden. Manchen Häusern
bescheinigte die Visitationskommission, dass der Kaffee „nur zur Noth trinkbar“ oder gar eine „Gelberübenbrühe“ sei.

 

Wen wundert’s, dass bei der Eröffnung des Café-Restaurant Luitpold an der Brienner Straße, dem ehemaligen Fürstenweg, ganz München jubelt und sich die Kunde vom Palastcafé mit 20 Prachtsälen rasch in ganz Europa verbreitet. Die Gazetten beschreiben den „Feenpalast“ und lassen das „Kaffeeschloss“ hochleben. Es entfaltet
sich ein reges Gesellschaftsleben, das von einer Neuheit zur anderen feiert: Im Luitpold gibt es den ersten Billardsaal mit gleich 16 Tischen. In den Weinrestaurants Française schmecken Hummer und Champagner. Das Luitpold-Tabarin bebt unter den Charleston-Schritten. 1929 eröffnen die Luitpold-Lichtspiele mit 1.245 Sitzplätzen und hochmoderner Sprechfilmapparatur. 1930 schaut München verwundert auf das erste Boulevard-Cafe unter Palmen. Der Welt beste und Kaffeehausmusiker, berühmte Swingund Jazz-Combos spielen auf zum Tanze – und
beim Tanz auf dem Vulkan geht der Luxustempel im Bombardement des Zweiten Weltkrieges unter.

 

ZEITENWENDE

 

In den 1950-er Jahre fristet der heutige Luitpoldblock kein prächtiges Dasein. Die Zeitenwende tritt erst 1960 ein, als Marika und Paul Buchner Eigentümer werden und 1962 nach großer Revitalisierung neu eröffnen. Das Café Luitpold spielt ganz schnell wieder in der ersten Liga, zählt unter Paul Buchner zu den zehn besten Kaffeehäusern
der Welt. Wiederholte Modernisierungen garantieren dem Luitpoldblock, immer im Trend zu sein. Internationale Luxusmarken sind Begleiter des Unternehmens und die Büroetagen genießen höchste Reputation. Heute ist die Tochter der Eigentümer, Tina Schmitz, in der Geschäftsleitung. Unter ihrer Regie wurde im September 2010 eine umfangreiche Sanierung abgeschlossen mit dem Einbau einer Kaffee-Erlebniswelt, die Tradition und Moderne auf einzigartige Weise verbindet. Pächter von Café und Restaurant ist seit Juli 2009 Bäckermeister Dr. Stephan Meier.

 

Texte: Beate Bentele / Bildmaterial: Sammlung Café Luitpold.

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