Cafe Luitpold - Anzeige

Kunst und Konditorei

IN ALLER
MUNDE

 

 

 

 

 

Am Eröffnungstag, Sonntag, 1. Januar 1888 musste, wer ins Café Luitpold wollte, eine Eintrittskarte vorzeigen. Am zweiten Tage konnte man sich das Etablissement gegen ein Entree von 50 Pfennigen zugunsten der Stadtarmen anschauen. Am dritten Tage „ist dasselbe wie auch an den darauffolgenden Tagen in vollem Betriebe dem allgemeinen Besuche geöffnet.“ So zeigte Simon Bäumler als erster Pächter des Café Luitpold die Neueröffnung in den Münchner Neuesten Nachrichten an.

 

Es dauert nicht lange, bis das Café Luitpold mit den Grands Cafés in Paris, Berlin und Wien in einen Atemzug genannt wird. Weil es aber exklusiver ist als die meisten, mit 20 Sälen in imperialer Palastarchitektur beeindruckt und außerdem sein Namenspatron Prinzregent Luitpold vom Bayern ist, spricht bald ganz Europa davon.

 

Bei aller Mondänität wäre das Luitpold kein Münchner Café, wenn sich nicht sogleich Stammtische zusammenfinden. Vom Münchner Großbürgertum über die Studenten bis zu den Künstlern. Man sieht Eduard Thöny, Paul von Reznicek, Frank Wedekind, Georg Queri, Henrik Ibsen, Ludwig Ganghofer, Ludwig Thoma, Gustav Meyerink, die Prinzen Heinrich und Ludwig Ferdinand, Stefan George, Isadora Duncan und die Saharet und nahezu alle mehr oder weniger berühmten Personen der Zeit. „Alles was Rang und Namen hat“, fließt es seinerzeit aus der spitzen Feder von Ludwig Thoma.

 

VON ANFANG AN EN VOGUE


Das Luitpold ist vom Tag seiner Eröffnung en vogue. Durch seine illustren Gäste geht es immer wieder in die Literatur ein. In „Das Jahr der schönen Täuschungen“ beschreibt Hans Carossa, wie sich seine Schritte von selbst verlangsamen, „denn alles war hier danach angetan, dem Neuling vorzuspiegeln, er habe ein Heiligtum betreten.“ Carossa huldigt aber auch den wahren Walterinnen des Hauses, den Wassermadln und Kellnerinnen. Der  Schriftsteller bewundert „die Sicherheit, mit der sie aus silbernen Kannen erwünschte Getränke in Porzellanschalen
gießen – überhaupt atmet alles den Geist vornehmer Gastlichkeit, einzig würdig der glanzvollen Stätte, die den Namen des Regenten trägt.“

 

Weniger weihevoll geht es zu, wenn Frank Wedekind kommt. Er hatte sein Hauptquartier im Café Luitpold aufgeschlagen. Obwohl die Polizeistunde in München damals schon kontrolliert wurde, sitzt er mit seinen Freunden oft nächtelang bei Kerzenlicht in einer Nische, die man von der Straße nicht einsehen kann. Wedekind und sein Tross „tagt“ so lange, bis man im Krach auseinanderging. Aber schon am nächsten Abend findet man sich wieder zur gleichen Zeremonie zusammen. Zu den bekannten literarischen Begegnungen gehört auch das erste Treffen von Karl Wolfskehl mit Stefan George im August 1893. Und Ludwig Ganghofer trifft mit dem Schauspieler Hans
Neuert zusammen, es entsteht die Idee zum „Herrgottsschnitzer von Ammergau“ und damit beginnt der Durchbruchh Ganghofers zum Heimat-Schriftsteller.

 

Trotz der vielen Literaten, die ein- und ausgehen, ist das Luitpold kein typisches Literatur- und Künstlercafé, wie zum Beispiel das Griensteidl in Wien. Diese Rolle nimmt im München des 19. Jahrhunderts das Café Stefanie (auch Café Größenwahn) an der Ecke Amalienstraße/Theresienstraße ein.

 

VIEL MEHR ALS NUR EIN CAFÉ


Das Luitpold ist eben viel mehr, unter anderem auch eines der großen Konzertcafés in Deutschland. Ab 1925 sind hier viele bekannte Orchester zu hören und zu erleben: Will Glahé und Ernst van T’Hoff, Bernhard Etté gehört dazu wie Barnabás von Géczy, Juan Llossas oder der wohl weltbeste Geiger Georges Boulanger, Johann Strauß der Jüngere und Paul Lincke aus Berlin werden genau so gefeiert wie der Hamburger Walzerkönig Oskar Fetras.

 

1929 geht der Vorhang auf für die Luitpold-Lichtspiele. Das Kino (anstelle der Prinzensäle erbaut) mit 1.250 Sitzplätzen feiert am 29. November mit dem Film „Vater und Sohn“ Premiere. Nach dem Krieg, ab September 1945, holt die Grande Dame der Münchener Kinokultur, Lonny van Laak die großen Hollywoodstars ins Haus. Das Luitpold wird Premierenkino und bringt unter anderem mit Sophia Loren, Gina Lollobrigida, Kirk Douglas, Joseph Cotten,
Ingrid Bergmann, Maximilian Schell den Glanze der amerikanischen Celluloid-Welt an die Isar.

 

Das Luitpold rückt wieder ins Blitzlichtgewitter, als es Marika und Paul Buchner 1962 nach großem Umbau neu eröffnen. Die Glanzzeiten von einst gehen weiter – aber die Protagonisten sind andere geworden. Während Sigi Sommer von der „Cremeschnittengarage“ spricht, ist es für Loriot das „süße Herz der City“. Udo Jürgens schwärmt „Zeig mir den Platz an der Sonne … hier ist er, was die Gastronomie betrifft.“ „It was a pleasure to be here“, preist
Bill Ramsey das Luitpold, während sich Marika Rökk mit einem riesigen „Herzlichst“ bedankt. Senta Berger, Horst Buchholz, Tina Turner, Zsa Zsa Gabor, Mario Adorf, Tina Sinatra, Peter Sellers, Sirley McLaine, Hans Clarin, Lady Raine Spencer, Eliette von Karajan, Richard von Weizsäcker … beim Blick ins Gästebuch glaubt man: Im Luitpold trifft sich die Welt. – So war es und so ist es.

 

Texte: Beate Bentele / Bildmaterial: Sammlung Café Luitpold.

Das Luitpold ist vom Tag seiner Eröffnung en vogue.
Durch seine illustren Gäste geht es immer wieder in
die Literatur ein. In „Das Jahr der schönen
Täuschungen“ beschreibt Hans Carossa, wie sich
seine Schritte von selbst verlangsamen, „denn alles
war hier danach angetan, dem Neuling vorzuspiegeln,
er habe ein Heiligtum betreten.“ Carossa huldigt
aber auch den wahren Walterinnen des Hauses, den
Wassermadln und Kellnerinnen. Der Schriftsteller
bewundert „die Sicherheit, mit der sie aus silbernen
Kannen erwünschte Getränke in Porzellanschalen
gießen – überhaupt atmet alles den Geist vornehmer
Gastlichkeit, einzig würdig der glanzvollen Stätte,
die den Namen des Regenten trägt.“
Weniger weihevoll geht es zu, wenn Frank Wedekind
kommt. Er hatte sein Hauptquartier im Café Luitpold
aufgeschlagen. Obwohl die Polizeistunde in München
damals schon kontrolliert wurde, sitzt er mit seinen
Freunden oft nächtelang bei Kerzenlicht in einer
Nische, die man von der Straße nicht einsehen kann.
Wedekind und sein Tross „tagt“ so lange, bis man
im Krach auseinanderging. Aber schon am nächsten
Abend findet man sich wieder zur gleichen Zeremonie
zusammen. Zu den bekannten literarischen Begegnungen
gehört auch das erste Treffen von Karl
Wolfskehl mit Stefan George im August 1893. Und
Ludwig Ganghofer trifft mit dem Schauspieler Hans
Neuert zusammen, es entsteht die Idee zum
„Herrgottsschnitzer von Ammergau“ und damit
beginnt der Durchbruchh Ganghofers zum Heimat-
Schriftsteller.
Trotz der vielen Literaten, die ein- und ausgehen, ist
das Luitpold kein typisches Literatur- und Künstlercafé,
wie zum Beispiel das Griensteidl in Wien.
Diese Rolle nimmt im München des 19. Jahrhunderts
das Café Stefanie (auch Café Größenwahn) an der
Ecke Amalienstraße/Theresienstraße ein.
VIEL MEHR ALS NUR EIN CAFÉ
Das Luitpold ist eben viel mehr, unter anderem auch
eines der großen Konzertcafés in Deutschland. Ab
1925 sind hier viele bekannte Orchester zu hören
und zu erleben: Will Glahé und Ernst van T’Hoff,
Bernhard Etté gehört dazu wie Barnabás von Géczy,
Juan Llossas oder der wohl weltbeste Geiger
Georges Boulanger, Johann Strauß der Jüngere und
Paul Lincke aus Berlin werden genau so gefeiert wie
der Hamburger Walzerkönig Oskar Fetras.
1929 geht der Vorhang auf für die Luitpold-Lichtspiele.
Das Kino (anstelle der Prinzensäle erbaut)
mit 1.250 Sitzplätzen feiert am 29. November mit
dem Film „Vater und Sohn“ Premiere. Nach dem
Krieg, ab September 1945, holt die Grande Dame
der Münchener Kinokultur, Lonny van Laak die
großen Hollywoodstars ins Haus. Das Luitpold wird
Premierenkino und bringt unter anderem mit Sophia
Loren, Gina Lollobrigida, Kirk Douglas, Joseph Cotten,
Ingrid Bergmann, Maximilian Schell den Glanze der
amerikanischen Celluloid-Welt an die Isar.
Das Luitpold rückt wieder ins Blitzlichtgewitter, als es
Marika und Paul Buchner 1962 nach großem Umbau
neu eröffnen. Die Glanzzeiten von einst gehen weiter
– aber die Protagonisten sind andere geworden.
Während Sigi Sommer von der „Cremeschnittengarage“
spricht, ist es für Loriot das „süße Herz
der City“. Udo Jürgens schwärmt „Zeig mir den
Platz an der Sonne … hier ist er, was die Gastronomie
betrifft.“ „It was a pleasure to be here“, preist
Bill Ramsey das Luitpold, während sich Marika Rökk
mit einem riesigen „Herzlichst“ bedankt. Senta
Berger, Horst Buchholz, Tina Turner, Zsa Zsa Gabor,
Mario Adorf, Tina Sinatra, Peter Sellers, Sirley
McLaine, Hans Clarin, Lady Raine Spencer, Eliette
von Karajan, Richard von Weizsäcker … beim Blick
ins Gästebuch glaubt man: Im Luitpold trifft sich
die Welt. – So war es und so ist es.